Ein kurzes Wort zur Pause

Liebe Besucher:innen

Seit über einem Monat ist es hier still geblieben, und das hat zwei Gründe, von denen keiner besonders glamourös ist. Erstens die Hitze. Wer wochenlang in einem Büro sitzt, in dem an konzentriertes Arbeiten nicht zu denken ist, bringt abends kaum mehr einen sinnvollen Satz zu Papier. Zweitens der längst fällige Umstieg von Windows auf Linux auf meinem Hauptrechner. Jahrelang hielt mich nur die Adobe-Palette zurück, weil ich fürchtete, für meine Arbeit zwingende Programme zu verlieren. Mit der Kündigung des Abonnements fiel dieses Hindernis weg, und was blieb, war Handarbeit beim Konfigurieren und Migrieren, mehr Aufwand als jedes gewöhnliche Update, deutlich mehr Zeit und Nerven als geplant.

Der Umstieg war kein spontaner Einfall, sondern eine längst gereifte Entscheidung. Ich habe genug von den Datenkraken aus den USA und ihrer Anbiederung an das Trump-Regime. Entscheidend ist dabei, dass das so bleibt, auch wenn irgendwann wieder andere im Weissen Haus sitzen. Der CLOUD Act 1 ist nur der sichtbarste Teil eines Gefüges aus Überwachungsinstrumenten, dazu gehören etwa FISA 702 2 und die National Security Letters 3, mit denen Behörden Daten anfordern können, ohne dass dafür ein Gericht im klassischen Sinn eingeschaltet wird. Nicht jedes Instrument aus diesem Gefüge bleibt dabei für immer bestehen, Section 215 des Patriot Act 4 etwa, einst Grundlage der NSA-Massenüberwachung von Telefondaten, ist seit 2020 offiziell ausgelaufen. Am Grundproblem ändert das wenig. US-Behörden können auf Daten zugreifen, die bei US-Konzernen liegen, ganz gleich, wo die Server physisch stehen. Willkür ist dabei das eigentliche Problem. Für Personen ausserhalb der USA braucht es keine individuelle richterliche Anordnung, nur eine Zielperson nach Gefühl des Staates, und schon kann ein Einblick ins eigene Onlineleben entstehen. Das ist funktional der Unterschied zum Rechtsstaat, niemand weiss, wann und gegen wen diese Mittel eingesetzt werden. Meine Daten gehören deshalb nicht in die Hände irgendeines Überwachungsapparats, sondern bleiben bei mir. Was privat ist, meine Chats, meine Fotos, meine Gedanken, soll auch privat bleiben. Würde ich Google oder Microsoft weiterhin damit füttern, wären sie vor einem Zugriff durch US-Geheimdienste nicht geschützt. Meine Dateien liegen deshalb inzwischen bei kDrive statt bei Google Drive. Was ich öffentlich haben will, veröffentliche ich bewusst selbst, genau hier auf dieser Website.

Hitze und Systemwechsel zusammen haben die Energie aufgebraucht, die sonst in neue Texte fliesst. Es gibt keine tiefe Krise dahinter, nur unerträgliche Bürohitze und ein Systemwechsel aus Überzeugung. Kurze, knackige Kritiken hätte ich zwischendurch schreiben können, doch ich setze mich lieber tiefer mit einem Film auseinander, recherchiere Kontext und ordne ihn in gesellschaftliche Zusammenhänge ein. Das verlangt einen klaren Kopf, und genau der fehlte in den letzten Wochen. Mein Büro ist nicht klimatisiert, und sobald der Rechner läuft, steigt die Temperatur ins Unermessliche. Sobald die Hitze nachlässt, kehrt auch hier wieder Regelmässigkeit ein.

Quellen

  1. CLOUD Act, DSB - Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich
  2. Section 702 of the Foreign Intelligence Surveillance Act, Explained, Brennan Center for Justice
    Targeting Under FISA Section 702, Intel.gov
  3. National Security Letters: FAQ, Electronic Frontier Foundation
  4. Yes, Section 215 Expired. Now What?, Electronic Frontier Foundation