10 Horrorfilme, welche meinen Verstand schmelzen liessen

Der Holzhammer kommt zuerst

Es gibt Horrorfilme, die einem Albträume bescheren. Und es gibt solche, die einfach nur Albträume sind. Für das Denkvermögen, den Filmgeschmack und das Zeitmanagement. Filme, die so leer, so peinlich selbstverliebt oder so unfassbar unfähig gemacht sind, dass man während der Sichtung gleich dreimal stirbt: einmal vor Langeweile, einmal vor Fremdscham und einmal innerlich.

Und bevor es losgeht, eine ehrliche Ansage. Was jetzt kommt, ist nicht objektiv, nicht fair und schon gar nicht diplomatisch. Es ist eine bewusst zynische Abrechnung, geschrieben mit der Grosszügigkeit eines Menschen, dem seine Lebenszeit zu schade für schlechtes Kino ist. Wer feinsinnige Ausgewogenheit sucht, ist hier falsch. Wer zusehen will, wie ich mit Genuss den Holzhammer schwinge, darf gerne bleiben.

Ich werde hier nicht die Elefanten im Raum besprechen und lasse die Sonderkategorie von Horrorfilmen aus, welche sich ausschliesslich auf den Shock Value verlassen und moralisch wie künstlerisch absoluter Schmutz sind. Filme wie A Serbian Film, Green Elephant, Guinea Pig oder die völlig kaputten Filme aus der digitalen Kloake von Dora und Valentine Lucifer. Diese Machwerke gehören für mich nicht in die Horrorecke, sondern auf den Sondermüllhaufen kulturellen Versagens. Sie wollen nicht unterhalten, nicht provozieren, nicht erzählen. Sie wollen dem Publikum schlicht ins Gesicht kotzen und dabei den Anspruch erheben, besonders edgy zu sein.

Ich weiss, ich werde die folgenden Filme extrem schlechtreden, und ja, ich werde damit der einen oder anderen Person gehörig auf den Schlips treten. Aber das ist okay. Geschmäcker sind verschieden. Das hier ist mein persönliches Ventil. Eine Abrechnung mit Filmen, bei denen ich mir ernsthaft gewünscht habe, stattdessen einfach die Wand anzustarren und dem Verputz zuzusehen, wie er langsam Formen annimmt. Es ist mir unverständlich, wie Leute am Set nicht einfach «NEIN!» schreien konnten, um diese Filme zu verhindern.

Winnie the Pooh: Blood and Honey (2023)

Ein Public-Domain-Schnellschuss, der sich als «böser Märchenhorror» tarnt, aber in Wahrheit einfach nur dreist, faul und unverschämt billig ist. Die Masken sehen aus, als ob man diese kurz vor Drehbeginn noch in einem Karneval-Shop für 5 Dollar bezogen hätte. Die Kameraarbeit ist unterirdisch, und das Drehbuch hat vermutlich nie existiert. Dieser Film beleidigt nicht nur das Original, sondern auch jeden Menschen, der sich mit Geschichten Mühe gibt.

Wie es überhaupt so weit kam? Nun, Figuren wie Winnie the Pooh, Popeye oder auch Mickey Mouse stehen nach Ablauf des urheberrechtlichen Schutzes der Originalfassungen in der Public Domain1 zur Verfügung. Das heisst: Jeder darf damit machen, was er will, auch dann, wenn er weder Talent noch Idee hat. Willkommen im goldenen Zeitalter der oft fragwürdigen kreativen Neuinterpretationen …

Und als wäre das nicht schlimm genug, soll das Ganze der Auftakt zu einem ganzen «Twisted Childhood Universe»2 sein! Einem geplanten Franchise voller ähnlich liebloser Ausbeutung von Kindheitserinnerungen. Müll in Massen.

Und tatsächlich, das Universum wächst fleissig weiter. Seit diesem Artikel sind bereits Peter Pan’s Neverland Nightmare und Bambi: The Reckoning erschienen, mit Pinocchio: Unstrung direkt hinterher. Als Nächstes steht der grosse Crossover-Film Poohniverse: Monsters Assemble an, natürlich im Avengers-Look, weil warum auch nicht gleich das ganze Marketing kopieren. Die Qualität hat sich dabei kaum verbessert, auch wenn Bambi überraschenderweise etwas versöhnlichere Kritiken einheimste. Am grundsätzlichen Problem ändert das nichts. Wenn eine Franchise ihre kreative Energie darauf verwendet, Marvel-Ästhetik auf Public-Domain-Leichenfledderei zu pfropfen, ist das kein Trend, sondern ein Offenbarungseid.

3 Demons (2022)

Ein Film, der sich anfühlt, als wäre er von einem Dämon geschrieben worden, der Menschen hasst. Deputy Fisher soll im Wald eine Leiche bewachen, öffnet dabei aber aus Langeweile oder Dummheit ein unvollendetes Ritual und schon steppt der Teufel, gleich dreifach. Der Regisseur selbst nennt sein Werk einen «Lynchian possession movie», was vermutlich so viel heisst wie: Wir wussten selbst nicht genau, was wir da drehen. Mehrere Kritiker vergleichen Hauptdarsteller Peter Tell mit Bruce Campbell aus Evil Dead 2, nur eben ohne dessen Humor, ohne dessen Timing und ohne dessen Selbstironie. Was übrig bleibt, ist ein Mann, der ernsthaft durch den Wald stolpert, während die Handlung zwischen Trauma-Aufarbeitung, Familiendrama und Dämonenspuk hin- und herspringt, ohne sich für irgendeine Richtung zu entscheiden.

Ich las zuvor, dass der Film «schwarzhumoristisch» sei. Ich kann mich nicht erinnern, auch nur ansatzweise ein Grinsen auf den Lippen gehabt zu haben. Die Schauspieler liefern Leistungen ab, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt wussten, dass sie in einem Film sind. Oder in welchem Jahr. Oder in welchem Genre.

Dazu kommt eine Kameraarbeit, die nicht hässlich, aber gänzlich ausdruckslos ist. Alles wirkt wie durch einen Instagram-Filter gefilmt, den man aus Versehen angelassen hat. Die Musik dudelt bedeutungsschwanger vor sich hin, ohne je eine Szene zu tragen. Der Film glaubt offenbar, dass kryptisch automatisch interessant ist. Ist er aber nicht. Er ist einfach nur anstrengend.

X (2022)

Jetzt wird es kontrovers. Vielleicht.

Die Indie-Horrorwelt liebt ihn. Ich nicht. X wird als tiefgründiger Meta-Kommentar über Sexualität, Tod und Filmgeschichte gefeiert. Nur besteht dieses «Meta» im Wesentlichen daraus, die Bildsprache und die Motive des 70er-Slashers zu zitieren. Ti West kennt seine Genregeschichte, keine Frage, und er zeigt es in jeder einzelnen Einstellung. Aber Zitieren ist noch kein Kommentar. Ein echter Meta-Film würde etwas mit seinem Material machen, es unterlaufen, hinterfragen, gegen den Strich bürsten. X dekoriert es bloss mit einer Doppelbesetzung und hält Cleverness bereits für Erkenntnis. Wenn mich ein Film 105 Minuten lang vor allem daran erinnert, wie gut The Texas Chain Saw Massacre war, greife ich beim nächsten Mal gleich zum Original. Das muss sich nicht selbst referenzieren, es liefert die Urangst roh und ungefiltert.

Dazu kommt eine Figurenlogik, die der Film sich selbst nicht leisten kann. X gibt sich über weite Strecken ernst und bodenständig, lässt dann aber eine 90-Jährige drahtige junge Männer im Nahkampf überwältigen. Das ist kein stilisierter Slasher-Trick wie ein unaufhaltsamer Michael Myers, sondern eine Drehbuch-Notlösung, damit die Konfrontation überhaupt stattfinden kann. Suspension of Disbelief in der Königsklasse.

Mia Goth spielt gleich zwei Rollen (yay), was bedeutet, dass man doppelt so oft auf ihre starren, pseudo-tiefsinnigen Blicke schauen muss. Dabei kann sie es ja. Der minutenlange Monolog am Ende von Pearl (Prequel zu X), in dem sie ungeschnitten ihr ganzes verpfuschtes Leben ausbreitet, ist richtig gut, roh, verletzlich, hypnotisch. Das ist mein eigentliches Problem mit ihr. Man bekommt bei Goth immer zwei Schauspielerinnen im Doppelpack. Die eine dreht auf, sobald eine Szene emotional explodieren darf, und trägt dann mühelos ganze Minuten allein. Die andere übernimmt alle ruhigen Momente dazwischen und ist dabei ungefähr so spannend, wie jemandem beim Falten eines Papiers zuzusehen. Man erwartet ein kreatives Origami, erhält aber nur einen 0815-Papierflieger. In X hat leider fast durchgehend die zweite Dienst.

Hager (2020)

Arthouse-Horror aus Deutschland und zwar in der Form, wie sie Leute schreiben, die an der HFF München beim Einreichen durchgefallen sind. Gewollt psychedelisch, gewollt unheimlich, am Ende aber nur gewollt. Man ertrinkt in überbelichteten Nahaufnahmen und bedeutungsschwangerem Geschwurbel, das jede Sekunde schreit: „Schau mal, wie tiefgründig ich bin!“ Spoiler: Bist du nicht.

Der Film stand auf Letterboxd bei 3.3/5, als ich ihn mir ansah. Am Ende dachte ich nur: Was zum Geier habe ich da gesehen!?
Dann schaue ich mir Das weisse Rauschen zum x-ten Male an und denke, dass man mit wenig Budget auch in Deutschland einen soliden Film abliefern kann. Hager zählt da bestimmt nicht dazu.

Mama (2013)

Guillermo del Toro klebte seinen Namen aufs Plakat und lehnte sich dann zurück, während Andy Muschietti das eigentliche Elend inszenierte. Jessica Chastain, frisch von ihrer Oscar-Nominierung für Zero Dark Thirty, trägt eine schwarze Perücke und Tattoo-Sleeves und spielt eine Punk-Rockerin, die zwei verwilderte Nichten grosszieht, während ein CGI-Geist namens Mama im Hintergrund herumspukt wie ein digitalisierter Waldschrat. Der Film beginnt mit «Es war einmal», als hätte jemand vergessen, dass Märchenanfänge auch verpflichten. Mama ist wie ein Disneyfilm, der aus Versehen in die Horrorabteilung gerutscht ist, inklusive Geist, der vielleicht noch Gänsehaut bei einem sechsjährigen Ich auslösen könnte. Emotional manipulativ, harmlos bis zur Parodie und in etwa so gruselig wie die «Gespenster Geschichten»-Comics, die ich als Kind las. Der Film versucht, eine düstere Geschichte über Verlust und Mutterliebe zu erzählen, bleibt dabei aber so oberflächlich, dass selbst ein Wasserglas mit Komplexen tiefer wirkt. Wer hier echten Schrecken erwartet, wird mit Kuschelgrusel abgespeist, garniert mit einer Cliffhanger-Klippen-Szene am Ende, die selbst dem grosszügigsten Zuschauer die Augen verdreht.

Deinfluencer (2022)

Wenn ChatGPT Regie führt, hat man DeInfluencer. Eine Social-Media-Parodie ohne Biss, ohne Timing und ohne jede Daseinsberechtigung. Eine Influencerin wird entführt und soll moralisch geläutert werden. Leider passiert weder das eine noch das andere glaubwürdig. Zwar bemüht sich der Film um Wendungen und tiefere Motive hinter der Tat, doch was als psychologisches Spiel verkauft wird, entpuppt sich als aufgesetzte Dramaturgie mit durchschaubaren Aha-Momenten. Statt echter Spannung gibt es Theater-AG-Schauspiel und Dialoge, die wirken, als wären sie von einem Boomer für Gen-Z geschrieben worden.
Wer das Gefühl hat, das alles schon einmal gesehen zu haben, liegt nicht falsch. DeInfluencer wirkt wie ein algorithmisch zusammengewürfelter Mix aus Filmen wie Saw mit Moral durch Zwang, Hard Candy mit kammerspielhaften Machtspielen, Cam mit digitaler Identität als Konflikt und Unfriended, welcher medienkritischen Horror im Social-Media-Zeitalter behandelt. Nur fehlt hier jeder Funke Wirkung, Substanz oder Stil. Wer sich echte Medienkritik oder Spannung erhofft, bekommt stattdessen ein erschreckend leeres Echo besserer Vorbilder.

Hypnotic (2021)

Ein Netflix-Horrorfilm mit dem klangvollen Namen eines Schlafmittels. Und selten war ein Titel so treffend. Kate Siegel, sonst zuverlässig gut in allem, was Mike Flanagan anfasst, spielt hier Jenn, eine Softwareentwicklerin, die nach einer Fehlgeburt bei einem Hypnosetherapeuten landet, der sie mit dem Satz «this is how the world ends» in Trance versetzt und anschliessend fernsteuert wie eine Marionette. Der Trigger, mit dem er seine Opfer lähmt, ist übrigens das Wort «Sleep». Man ahnt, wie ernst der Film sich selbst nimmt. Visuell und dramaturgisch bewegt sich der Film irgendwo zwischen Möbelhaus-Werbung und Pilotfolge einer gescheiterten Crime-Serie. Der Guardian nannte ihn treffend eine Zumutung ohne jeden Trick oder Leckerli, die man aus dem Müll für Halloween gefischt hat. Jeder Szenenwechsel kündigt Grosses an, doch nichts passiert. Statt Nervenkitzel gibt es dramaturgisches Sedativ.

Die Geschichte um Hypnose als Waffe hätte bedrohlich, verstörend oder zumindest atmosphärisch sein können. Stattdessen verläuft alles in blassem Fernsehgrau, unentschlossen zwischen Thriller und Einschlafhilfe. Nichts bleibt hängen, nichts überrascht, nichts verstört. Die einzige Wirkung ist ein tiefes, warmes Gähnen. Und das ist wahrscheinlich mehr, als der Film selbst über seine Protagonistin sagen kann.

Es gibt gute Gründe, abseits der Politik, weshalb ich kein Netflix-Abo mehr besitze. Filme wie dieser sind einer davon. Ein Algorithmus, der danach optimiert, ob Leute in den ersten Minuten dranbleiben, statt danach, ob ein Film tatsächlich gut ist, produziert zwangsläufig genau solche Filme, glatt genug, um niemanden zu vertreiben, und leer genug, um niemandem in Erinnerung zu bleiben. Und für dieses Erlebnis darf man mittlerweile auch noch ordentlich blechen, während der Katalog eher schrumpft als wächst. Selbst mit dem grossen Geld wird nicht eingekauft, sondern zurückgekauft. Nachdem der 82-Milliarden-Deal für Warner-Studios, HBO und HBO Max im Frühjahr 2026 an Paramount Skydance verloren ging, hat sich Netflix mit der 2,8-Milliarden-Abfindung lieber ein 25-Milliarden-Aktienrückkaufprogramm gegönnt, statt in bessere Filme zu investieren. Die Prioritäten sprechen für sich.

Amer (2009)

Ach ja, Amer. Der Liebling all jener, die «ästhetisch» sagen, wenn sie eigentlich «unverständlich» meinen. Der Film wirkt wie ein 90-minütiger Tumblr-Bildband in Bewegung. Close-ups auf Haut, Augen, Messer, Farben, Lichtreflexe. Alles inszeniert mit demonstrativer Wichtigkeit, als würde jede Einstellung einem Konzeptalbum beiliegen. Inhaltlich bleibt nichts. Nur Hülle.

Plot? Fehlanzeige. Charaktere? Dekoration. Emotionale Relevanz? Nicht vorgesehen. Amer ist wie ein Giallo, der seine eigene Existenz aus der Perspektive einer Designerlampe betrachtet. Kein Thriller, kein Horror, sondern ein stilverliebtes Spektakel ohne Richtung, das sich für tiefgründig hält, weil es konsequent auf Sprache verzichtet und sich in Zeitlupe verliert.

Was besonders irritiert, ist der beinahe ehrfürchtige Ton, mit dem dieser Film im Feuilleton behandelt wird. Da ist plötzlich von filmischem Surrealismus die Rede, von der Dekonstruktion narrativer Struktur und vom Mut zur Reduktion. In Wahrheit ist es die gleiche Rhetorik, die auch Farbkleckse auf Leinwand zu existenziellen Statements erhebt. Wer widerspricht, gilt als zu stumpf für die feinen Zwischentöne.
Eines muss ich dem Film aber lassen. Ich habe ihn derart gehasst, dass ich mich nach dem Abspann mehr damit befasste als mit anderen Filmen dieser Liste. Nicht aus Faszination, sondern aus dem Wunsch heraus, mich selbst zu prüfen. Vielleicht habe ich ja einfach keinen Filmgeschmack. Vielleicht übersehe ich das vermeintliche Meisterwerk.

Nicht alle sehen das allerdings so. Jonathan McCalmont3 nennt ihn eine „Hommage mit psychologischer Tiefe" und zieht gar Parallelen zu Bergmans The Silence, Kim Newman4 lobt die visuelle Finesse. Selbst Kritiker Edward Champion5, der dem Film eigentlich ablehnend gegenübersteht, bringt es unfreiwillig auf den Punkt: Er nennt Cattet und Forzani „hohle Techniker", die besser Werbespots für Calvin Klein drehen sollten. Genau das ist mein Punkt.

Human Hibachi 2: Feast in the Forest (2023)

Wenn du dachtest, Found Footage geht nicht mehr tiefer, serviert dir dieser Film ein schlecht aufgelöstes Trauma. Gedreht wie auf einer vergessenen SD-Karte, mit Darstellern, die offenbar tatsächlich glauben, sie wären auf einem Grillfest gelandet. Der Gore ist billig, aber nicht auf die gute Art. Die Kamera wackelt, als ob der besoffene Onkel die Familienfeier filmte, und das alles ohne auch nur einen Anflug von Atmosphäre, Idee oder Aussage.

Was bleibt, ist der Versuch, mit maximalem Dilettantismus Tabus zu erzeugen. Ob das nun Kunst oder ein schlechter Scherz sein soll, bleibt unklar. Aber eines ist sicher. Man kann mit null Talent etwas Dreckiges drehen, das für gewisse Zielgruppen als «authentisch» durchgeht.

Es gibt allerdings auch Fans, obwohl ich mich frage, ob diese nicht einfach trollen. So gehen auf Letterboxd die Meinungen auseinander. Einige sprechen von Fortschritten gegenüber dem ersten Teil, mit etwas mehr Tempo und solideren Effekten, und vergeben drei von fünf Sternen. Andere nennen die Figuren nervig, die Effekte lächerlich und das Ganze schlicht unverständlich, mit Bewertungen zwischen einem halben und einem Stern. Ich gehöre definitiv zur zweiten Kategorie.

Anthropophagous aka Man Eater (1980)

Italo-Kult oder Italo-Katastrophe? Joe D’Amatos Anthropophagous ist einer dieser Filme, die man nur deshalb kennt, weil am Ende jemand einen Fötus frisst. Der Rest ist zäh wie Gummifleisch. Endlose Kamerafahrten durch leere Gänge, Dialoge mit Einschlafgarantie und ein Monster, das aussieht wie Gollum mit Hitzschlag.

Ja, es ist 1980. Aber auch damals war Langeweile kein Stilmittel. Was als schockierender Kultfilm gehandelt wird, ist in Wahrheit ein träger, holprig inszenierter Versuch, Tabubruch mit Spannung zu verwechseln. Wer ihn verteidigt, redet sich meist auf Atmosphäre und Pioniergeist heraus. Der einzige Reiz liegt im Skandalwert einer Szene, die man auf YouTube in zehn Sekunden gesehen hat. Und das kann wohl wirklich nicht der Anspruch an einen Horrorfilm sein. Wobei, ich vergass. Es gibt ja auch Meilensteine des Stumpfsinns wie A Serbian Film, Guinea Pig: Flower of Flesh and Blood oder Human Centipede 2.

Wer aber 90 Minuten geballte Langeweile an Film benötigt, um eine sogenannte Skandal-Szene zu schauen: feel free.

Was bleibt noch zu sagen?

Diese Filme sind nicht zu hart, nicht zu experimentell, nicht zu radikal. Sie sind einfach nur schlecht. Nicht im Sinne von «gefällt mir nicht», sondern im Sinne von: «Wie zum Teufel konnte das passieren?»

Vielleicht ist das ja die eigentliche Lektion dieser Liste. Nicht, dass diese Filme schlecht sind. Das war offensichtlich. Sondern dass schlecht heutzutage ausreicht, um gefeiert zu werden.

Und schon sind wir wieder im selben goldenen Zeitalter gelandet. Nur diesmal nicht bei Winnie Pooh im Karnevalskostüm, sondern beim Anspruch selbst, den niemand mehr einlöst.

Quellen und Belege

  1. Begrifferklärung: Public Domain, Wikipedia
  2. Twisted Childhood Universe, Fandom
  3. Amer (2009) – Faceless Wordless Passion, Ruthless Culture
  4. Film review – Amer, The Kim Newman Web Site
  5. New Directors/New Films: Amer (2009), edrants.com